Ein epileptischer Anfall ist die plötzliche Funktionsstörung einer umschriebenen Hirnregion oder des gesamten Gehirns. Ein einzelner Anfall kann durch verschiedenste Ursachen ausgelöst werden und bedeutet noch keine Epilepsie. Erst wenn sich die Anfälle wiederholen, spricht man von einer Neigung des Gehirns für epileptische Anfälle, einer Epilepsie. Je nach Art der Epilepsie treten unterschiedliche Symptome auf. Eine Epilepsie kann sich in jedem Lebensalter entwickeln.

Warnsymptome

Gefährlich ist der Status epilepticus, eine Abfolge von Anfällen, die länger als zehn Minuten anhält und zwischen denen keine vollständige Erholung stattfindet. Ein Status epilepticus kann das Gehirn dauerhaft schädigen oder so9gar zum Tode führen. Deshalb: In diesem Fall sofort den Notarzt verständigen!

Symptome

Einem epileptischen Anfall kann eine Aura vorhergehen. Diese kann sich als ungewöhnlicher Sinneseindruck, zum Beispiel als eigenartiger Geruch oder Geschmack oder als falsche Erinnerung äussern. Manchmal lassen die Aura-Symptome Rückschlüsse zu, in welcher Hirnregion der Anfall entsteht.

Meist wird ein Anfall mit Sturz, Zuckungen und Bewusstlosigkeit in Verbindung gebracht. Beim so genannten Grand mal ist dies auch richtig. Doch das Erscheinungsbild von Anfällen ist wesentlich vielfältiger. Kurze Bewusstseinspausen, so genannte Absencen, sind manchmal das einzige Zeichen einer Epilepsie. Es kommt unter anderem zu Störungen des Bewusstseins, von Bewegungen, Wahrnehmungen, des Denkens oder Verhaltens. Bei einem grossen epileptischen Anfall besteht durch den unverhofften Sturz Verletzungsgefahr.

Drei Anfallsformen werden unterschieden:

  • Fokale Anfälle: Sie beginnen an einer ganz bestimmten Stelle im Gehirn, zum Beispiel im Bereich um eine „Hirnnarbe“ herum, die z.B. durch einen Schlaganfall verursacht wurde. Solche Anfälle werden auch teilweise, partielle, oder herdförmige Anfälle genannt.
  • Sekundär-generalisierte Anfälle: Sie beginnen wie ein fokaler Anfall, breiten sich dann aber über das ganze Gehirn aus.
  • Generalisierte Anfälle: Sie scheinen von Beginn an das gesamte Gehirn zu erfassen. Bei generalisierten Anfällen kommt es meistens auch zu vorübergehenden Bewusstseinsstörungen. Eine konkrete Ursache für die Epilepsie ist bei solchen Anfällen seltener auszumachen als bei fokalen Anfällen.

Was will der Arzt wissen?

Kann sich der Patient an Ereignisse vor dem Anfall oder den Anfall selbst erinnern? Wann und wie oft traten die Anfälle auf? Was folgte auf den Anfall? Hat jemand den Anfall beobachtet? Die Beobachtungen der Zeugen des Anfalls ist für die Diagnose entscheidend. In der heutigen Zeit ist es leicht möglich, z.B. mit dem Natel einen Anfall zu filmen und die Aufzeichnung zum Arzt mitzunehmen. Wird bereits auf eine Epilepsie behandelt, so sind die aktuelle Behandlung, der Behandlungsbeginn und die Frage, ob es Nebenwirkungen der Medikamente gab, eine wichtige Information. Auch die ggf. früherne unwirksamen Therapien müssen besprochen werden.

Diagnostik

  • Hirnstromkurve (EEG) und manchmal ambulantes EEG nach Schlafentzug
  • Schädel-MRI und weitere spezialisierte Bildgebung des Gehirns in der Neuroradiologie der Hirslanden-Klinik

Häufige Ursachen

Die zwei wichtigsten Ursachen der Epilepsie sind eine angeborene Bereitschaft für Anfälle oder eine erworbene Hirnschädigung. Vorgeburtliche Fehlentwicklungen, schädigende Einflüsse während der Schwangerschaft oder der Geburt, aber auch Verletzungen, Entzündungen, sehr hohes Fieber, Hirntumore, Durchblutungsstörungen, Drogen, Vergiftungen und Stoffwechselerkrankungen können Epilepsien verursachen. Oft aber kann keine klar erkennbare Ursache festgestellt werden.

Behandlung und Massnahmen

Epilepsien sind eine häufige neurologische Krankheit und bei ca. 2/3 der Betroffenen gut medikamentös behandelbar. Wird durch Medikamente keine Anfallsfreiheit erzielt, gibt es noch weitere Behandlungsmöglichkeiten. Diese reichen von einer chirurgischen Entfernung des betroffenen Hirnareals bis zur Nerven-bzw. Gehirnstimulation.

In der Epilepsiesprechstunde wird für jeden Patienten individuell eine für ihn massgeschneiderte Behandlung gesucht. Neben der Wirksamkeit stehen dabei die Verträglichkeit der Therapie und die Lebenssituation (z.B. berufliche Tätigkeit, Kinderwunsch, Fahrtauglichkeit) im Fokus.

Internet:

www.epi-suisse.ch

www.epilepsyfoundation.org

www.ninds.nih.gov