Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Krankheitsbildern in der neurologischen Praxis. Meist handelt es sich um Migräne und Kopfweh vom Spannungstyp sowie Kopfschmerzen als Folge einer übermässigen Schmerzmitteleinnahme. Daneben gibt es aber zahlreiche Formen von seltenen Kopfschmerzen, die einer speziellen Abklärung und Behandlung bedürfen.

Warnsymptome

Ein schlagartiger Beginn der Kopfschmerzen innerhalb von Sekunden kann Anzeichen für eine Hirnblutung sein. Oft tritt diese Art von Kopfschmerzen zusammen mit Nackensteifigkeit und Bewusstseinsstörungen auf. Tritt hohes Fieber als zusätzliches Symptom auf, deutet dies auf eine durch Bakterien ausgelöste Hirnhautentzündung hin. Werden Kopfschmerzen über Tage hinweg langsam immer stärker, kann dies von verengten oder entzündeten Gefässen ausgehen. Alarmierend ist es auch, wenn mit den Kopfschmerzen Sehverschlechterungen oder Sprach- und Bewegungsstörungen einhergehen.

Symptome

Die Migräne hat klare Diagnosekriterien und ist ein sehr typischer Kopfschmerz:

  • Er tritt in Attacken auf und ist von mittlerer bis hoher Intensität
  • Er ist häufig halbseitig an der Schläfe oder der Stirn (aber muss es nicht sein)
  • Vom Schmerzcharakter ist er pulsierend und stechend, besonders bei Belastung; am Beginn steht meist ein drückendes Gefühl im Kopf.
  • Die Alltagsaktivitäten sind dem Patienten oft nicht mehr möglich

Typische Begleitsymptome sind:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Lärm-, Geruchs- und Lichtempfindlichkeit
  • Gereiztheit, Müdigkeit, Unruhe oder eine andere psychische Veränderung

Bei 10% – 15% der Patienten tritt schon vor dem Einsetzen der Migräne eine sogenannte Aura auf. Sie entsteht auf der Gehirnoberfläche selber, oft in den Arealen des Sehens, kann aber auch das Gefühls- oder das Sprachzentrum betreffen.

Spannungs- und Analgetika-bedingter Kopfschmerz ist dumpf, drückend. Lokalisiert ist er meist im Bereich der Stirn oder im Nacken. Begleitsymptome gibt es meist nicht.

Der Schmerzcharakter beim Clusterkopfschmerz wird als stechend und unerträglich stark beschrieben. Er ist oft halbseitig hinter dem Auge lokalisiert.

Als heftigst, stechend, elektrisierend wird der Gesichtsschmerz bei der Trigeminusneuralgie empfunden. Er entsteht durch eine Schädigung des Gesichtsnerven.

Was will der Arzt wissen?

Entscheidend für die Diagnose ist die Anamnese. Wie oft treten die Kopfschmerzen auf und wie lange dauern sie an? Gefragt wird nach der Schmerzqualität, der genauen Schmerzlokalisation und den Begleiterscheinungen. Was verstärkt die Schmerzen, was kann sie lindern? Gefragt wird auch, ob vor den Schmerzattacken ein Flimmer- oder Blitzesehen oder Gefühlsstörungen im Mund und in der Hand auftraten.

Diagnostik

Im Vordergrund der Diagnosestellung steht die Bitte um die Beschreibung der Kopfschmerzattacken (Anamnese) und eine neurologische Untersuchung. Bei Bedarf werden zusätzliche Abklärungen wie eine Bildgebung des Kopfes (in der Regel MRI) oder Untersuchungen im Blut oder im Nervenwasser durchgeführt.

Häufige Ursachen

Zu den primären oder anlagemässigen Kopfschmerzen, bei denen keine Schädigung des Gehirns gefunden wird, gehören die Migräne, der Kopfschmerz vom Spannungstyp, der Clusterkopfschmerz (Halbseitenkopfschmerz) und seltenere Formen.

Sekundäre oder symptomatische Kopfschmerzen hingegen treten zum Beispiel auf nach Schädelverletzungen oder bei Gefässstörungen und Schlaganfall. Eine weitere Ursache kann ein Medikamenten- und Drogenmissbrauch sein. Stoffwechselstörungen, Infektionen, Neuralgien der Hirnnerven gehören auch in diese Gruppe.

Behandlung und Massnahmen

Die therapeutischen Optionen umfassen gezielt eingesetzte medikamentöse und nicht-medikamentöse Massnahmen, u.a. Infiltrationen, Behandlung mit Botulinumtoxin, Einsatz von TENS-Geräten, Akupunktur und Life-Style-Beratung.