Nicht alle Hirnleistungsstörungen im höheren Lebensalter sind Folge eines Morbus Alzheimer. Eine zunehmende Vergesslichkeit ist zunächst ein sehr unspezifisches Zeichen. Oftmals liegt eine gutartige Altersvergesslichkeit zugrunde. Vergesslichkeit kann aber auch das erste Symptom einer Demenz vom Alzheimer- oder Gefässtyp sein oder aber Ausdruck einer Depression. Diese Erkrankungen sollten weiter abgeklärt werden.

Warnsymptome

Eine beginnende Demenz kann sich in Verwirrtheit, zunehmender Vergesslichkeit, dem Verlust von Fertigkeiten in der Bewältigung des täglichen Lebens und Verhaltensänderungen zeigen. Im frühen Stadium machen das Kurzzeitgedächtnis und die Orientierung Probleme. Betroffene haben oft eine Rückzugstendenz, um die Schwächen zu verbergen. Selten treten Demenzen schon im jungen Erwachsenenalter und noch seltener bei Kindern auf.

Was will der Arzt wissen?

Welche Symptome sind es, die die Leitungsfähigkeit im Alltag besonders einschränken? Da verschiedenste Ursachen zu Vergesslichkeit führen können, ist die Krankengeschichte sehr wichtig. Vorbestehende Erkrankungen des Betroffenen oder in der Familie können Hinweise geben. Gefragt wird auch nach Medikamenten oder das Gehirn schädigenden Substanzen wie Alkohol und Drogen. Bei einer Demenzabklärung ist auch die Befragung von Angehörigen (Fremdanamnese) sehr wichtig. Sie sollten wenn möglich den Patienten bei dem ersten Arztbesuch begleiten.

Symptome

Bei einer Demenz kommt es zu einem zunehmenden Verlust der geistigen Fähigkeiten. Die Folge ist eine eingeschränkte Selbständigkeit bis hin zur Pflegebedürftigkeit. Typische Symptome sind steigende Vergesslichkeit (Geburtstage, Medikamente); Konzentrationsstörungen; schwindende Rechen- und Problemlösungsfähigkeit; Fehlhandlungen; Handfertigkeitsstörungen (Haushalt, Körperpflege, Ankleiden); das Erkennen von Personen und Gegenständen; Desorientierung (Zeit und Ort); Sprachstörungen (besonders Sprachverständnis). Während Patienten mit einer Depression eher über ihre Situation klagen, neigen Demenzpatienten oft dazu, ihre Ausfälle zu überspielen.

Häufige Ursachen

  • Die Ursache der Alzheimer Erkrankung ist nicht bekannt. Es kommt zum Verlust von Nervenzellen in Bereichen des Gehirns, die für Erinnerung, Wahrnehmung und Denkvorgänge wichtig sind. Charakteristisch sind Anhäufungen von Proteinen in den Nervenzellen (Amyloidplaques).
  • Depressionen können sich mit ähnlichen Symptomen zeigen, ihre Diagnose ist wichtig, da sie anders behandelt werden.
  • Sehr häufig sind Demenzen aufgrund einer Durchblutungsstörung des Gehirns. Nach einem grösseren oder vielen kleinen Schlaganfällen oder bei Gefässerkrankungen wie der Arteriosklerose kann sich eine Demenz entwickeln.
  • Neurologische Erkrankungen wie der Morbus Parkinson gehen in der Spätphase oft mit einer Demenz einher.
  • Selten liegt eine Resorptionsstörung des Nervenwassers (Hydrocephalus) oder eine Blutung in die Hirnhäute (subdurales Hämatom) vor.
  • Demenzen gibt es auch infolge von Infektionen, die zu einer Entzündung der Hirnhäute oder des Gehirns führen.

Diagnostik

Am Beginn der Diagnostik sollten die Besprechung der Beschwerden (Anamnese) und eine neurologische Untersuchung stehen. Zusatzuntersuchungen ergänzen die Abklärung in variablem Umfang: Neuropsychologische Testung, Laboruntersuchungen, MRI des Schädels, Hirnstrommessung (EEG) und die Lumbalpunktion (Untersuchung des Nervenwasser).

Behandlung und Massnahmen

Nachfolgende Beispiele belegen, wie wichtig eine umfassende Diagnostik für die Behandlungsentscheidungen sind. Eine Depression kann medikamentös sehr gut behandelt werden. Eine Resorptionsstörung des Nervenwassers (Hydrocephalus) oder ein Blutgerinnsel sind durch eine neurochirurgische Operation behandelbar. Auch eine entzündliche Erkrankung des Gehirns (Encephalitis) oder ein Mangel an Vitamin B12 können erkannt und und die Ursache behandelt werden.

Die Behandlung einer chronischen Erkrankung wie Alzheimer erfolgt sehr individuell. Die symptomatische Behandlung zielt jeweils darauf ab, die aktuellen Beschwerden zu lindern und den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen. Auch nicht medikamentöse Behandlungen sind sehr wichtig und helfen, dass ein Patient möglichst lange eine gute Lebensqualität hat.